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Ausgrabungen Ruine Montfort PDF Drucken E-Mail
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Ausgrabungen Ruine Montfort
Seite 2

Baubefunde:

Raum G ist mindestens einmal umgebaut worden. in der Stauferzeit (vermutlich kurz nach 1200) beherbergt er allen Anschein nach - zusammen mit Raum F - einen ehemals sicherlich recht eindrucksvollen Palas mit einem Unter- und einem Obergeschoss mit abschließendem Satteldach. Der noch vorhandene Kellereingang und vor allem ein mächtiger Kamin, dessen Einzelteile bei der Grabung zum Vorschein kamen, sowie einige Architekturfragmente zeugen davon. Der damalige Standort des Kamins kann aufgrund sorgfältiger Dokumentation bei der Freilegung der herabgestürzten Teile noch recht exakt angegeben werden. Er saß ursprünglich etwa in der Mitte der Westwand von Raum G im ersten Obergeschoss.

Ob wie vermutet, Vorgängerbau bestanden hat, konnte nicht festgestellt werden, da bei einer späteren Umgestaltung des Gebäudes das Bodenniveau offenbar abgesenkt wurde und somit mögliche Spuren, etwa eines Holzgebäudes, bereits im Mittelalter vernichtet wurden.

Jedenfalls machte das Anwachsen der Ganerbenzahl auf der Burg die Unterteilung bereits vorhandener größerer Räume notwendig, und so wurde der Palas durch einziehen einer Zwischenmauer in die jetzigen Räume F und G getrennt. Vermutlich bei dieser Gelegenheit wurde zumindest Raum G aufgestockt.. Ein zweiter, ebenfalls in seinen Teilen komplett aufgefundener Kamin hatte von da ab in der Südwestecke eines weiteren (wahrscheinlich des zweiten) Obergeschosses seinen Platz.

Die Wände waren in mehreren Geschossen verputzt und z. T. bemalt. Mindestens ein Geschoß hatte einen mit verzierten Fliesen belegten Boden. Das Dach war mit Schiefer gedeckt. Bleiverglaste Fenster erhellten den Innenraum. Die Funde zeigen deutlich die Entwicklung des Gebäudes vom spezialisierten Bau (Palas = reiner Repräsentationsbau mit Rittersaal für Feste, Rechtshandlungen usw.), der qualitativ den Rest der Burg übertraf, hin zum gleichgeordneten Ganerbenwohnhaus mit Allzweckfunktion in der Art eines städtischen Burgmannenhauses.

Weiterhin unterstreichen die Funde die schriftlichen Nachrichten von der Aufgabe der Burg 1457. Die chronologische Datierung aus Raum L (nach 1478) besagt, daß ebenfalls ein kleiner Teil der Burg vorübergehend wieder instandgesetzt wurde, möglicherweise um irgendwelche Rechtsansprüche geltend zu machen.


 

Kleinfunde:

Die große Anzahl von Knochen (u.a. von Rind, Schwein, Geflügel, Ziege) sowie Eier-, Walnuss- und Haselnussschalen geben Aufschluss über Ernährung der Burgbewohner. Keramik wurde ebenfalls sehr Zahlreich gefunden und ermöglicht das Erstellen eines aussagekräftigen Keramikspektrums, welches auch von überregionaler Bedeutung werden könnte (Handelsbeziehungen etc.). Hinweise auf die damalige Kleidung geben Schnallen (überwiegend wohl Gürtelschnallen). Ein vergoldeter Fingerring und Tonperlen wurden ebenfalls von den damaligen Herrschaften getragen. Armbrustbolzen bezeugen den militärischen Charakter der Burg. Weitere Funde wie Nähnadeln, Stecknadeln, Spinnwirbel, Schere und Pickel runden das Bild vom Alltagsleben auf der Burg ab.

Die Restaurierung der Funde wird sicher noch weitaus mehr erkennen lasse. Trotz aller Erkenntnisse bleiben noch viele Fragen offen, zu deren Beantwortung die geplante Ausgrabung der restlichen Teile von Raum G im Sommer 1984 sicher vieles wird beitragen können. So ist etwa zu hoffen, dass die Frage nach einer Treppe im Kellereingangsbereich geklärt, das Fundspektrum abgerundet und weitere wichtige Hinweise zur Baugeschichte gewonnen werden können.

Weiteres Foto

Auf alle Fälle hat die Grabung 1983 gezeigt, dass nur durch methodisches Vorgehen und vor allem saubere Dokumentation gesicherte Erkenntnisse gewonnen und der Nachwelt überliefert werden können. Jedes unsachgemäße Ausräumen von Ruinen, beraubt uns unsere Nachfahren einmaliger historischer Quellen in Form von Bodenurkunden, die aus der Abfolge verschiedener Schichten und der zugehörigen Funde bestehen. Bei aller Neugier erfordert die Behandlung einer Burg großes Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Allgemeinheit, die ein Recht darauf hat, etwas über das Werden, die Blütezeit und das Vergehen der Burg und Ihrer Bewohner zu erfahren.

 >> Lageplan <<

Quelle: "Bad Kreuznacher Heimatblätter"als Beilage z. "OEFFENTLICHEN ANZEIGER BAD KREUZNACH" Nummer 3/1984

Fotos: G. Korz


 

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