Ruine Montfort

Historie

Die Ruine MONTFORT zählt zu den eindruckvollsten Burgresten der Pfalz. Heute abseits großer Verkehrswege, 10 km westich von Bad Münster a.St. / Ebernburg entfernt, in idyllischer Waldeinsamkeit gelegen, wurde die Burg um 1200 zur Überwachung einer nahen Heerstraße von den Grafen von Veldenz erbaut.

Ruine Montfort aus südl. Richtung
Ruine Montfort aus südl. Richtung
Der Ursprung des Namens - übersetzt: "Starkenberg" - ist unsicher. Möglicherweise ist er ein Mitbringsel eines Kreuzritters aus Palästina, wo der Deutschritterorden eine mächtige Burg "Montfort" besaß. Der erste bekannte und wohl auch der bedeutendste Bewohner der Burg war Eberhard v. Lautern (1182-1240). Er war der Stammvater der Montforter. Sein Sohn nannte sich 1247 erstmals "RITTER v. MONTFORT". Es hatte in der Pfalz bedeutende Ämter inne und in 90 Orten der Vorderpfalz und Rheinhessen große und kleine Besitzungen.

Sie waren geachtet und begütert, so dass sie es nicht wirklich nötig hatten, sich als Raubritter zu betätigen - was ihnen von Zeitgenossen gerne nachgesagt wurde.

 

Als Wappen trugen sie einen "geschachten" rechten Schrägbalken in unterschiedlichen Farben mit und ohne Beizeichen. Dieses Geschlecht starb 1432 aus.

Die erste bekannte Urkunde 1226 und die dann folgenden, deuten darauf hin, dass Montfort schon recht früh gleichzeitig auch von anderen Ritterfamilien bewohnt - also eine GANERBENBURG - war.

Die Ganerben erworben durch Einheirat oder Kauf ein Burghaus als vererblichen Eigenbesitz, wie wir heute eine Eigentumswohnung in einem Häuserkomplex. Das brachte einen beachtlichen persönlichen Schutz in den damaligen unsicheren Zeiten und für die Burg eine wirksame Stärkung der Verteidigungskraft. Wir haben Ganerbenverträge von 25, zuletzt 17 Mitgliedern, was eine Belegschaft von mehr als 15o Bewohner bedeuten würde - also weit mehr, als in einem der umliegenden Orte lebten.

Das Zusammenleben im eng begrenzten Burgbereich wurde durch sehr strenge Vorschriften geregelt, die man BURGFRIEDEN nannte und die etwa dem heutigen "Bürgerlichen Gesetzbuch" entsprachen. Darin waren die jährlichen Umlagen zur Erhaltung der Burg, sowie auch Art und Menge der zur Verteidigung notwendigen Waffen und Lebensmittelvorräte festgelegt.

Die geballte Kampfkraft einer so großen Zahl von Rittern und Knechten hat sicherlich dazu beigetragen, dass Burg Montfort bis zum Jahre 1456 nachweislich niemals ernsthaft angegriffen oder belagert wurde. Es bedurfte der weit überlegenen Streitkräfte des Erzbischofs Diether von Mainz und des Kurfürsten Friedrich l. v. d. Pfalz, um am 19.10.1456 die Burg mit Feuerwaffen nach fünftägiger Belagerung zu erobern und zu zerstören.

Ruine Montfort - Aussicht Turm
Ruine Montfort - Aussicht Turm in nördl. Richtung

Damit sollten jedoch weniger die Burgbewohner als deren Lehnsherr, Herzog Ludwig der Schwarze von Pfalz-Zweibrücken, geschädigt werden.

Mit Ausnahme des Wohnturmes L ist danach der übrige Burganteil nicht wieder aufgebaut worden.

Einer der vertriebenen Ganerben, der Ritter Boos von Waldeck, baute sich um 148o aus Trümmersteinen der Burg im Tal ein "Neues Schloss", das der Vorläufer des heutigen "Montforter Hofes" wurde.

In den jetzt noch erhaltenen Trümmern dieser Zerstörung haben wir das in Deutschland ganz seltene Beispiel einer noch nicht auf Pulvergeschütze eingestellten mittelalterlichen Burg vor uns, deren heute noch deutlich sichtbaren Anlagen aus dem 12. bis 15. Jh. stammen und deren Bild in späteren Zeiten nicht durch Modernisierungen oder Verstärkungsbauten gegen Feuerwaffen verändert wurde.

 

 

Burganlage

Die ursprüngliche Burg bestand nur aus der Ringmauer der heutigen Kernburg, die ca. 2 m dick und im 14. Jh. ca. 8 m hoch war. Außer Tor, Turm und Wohngebäude bei E war der Burghof leer. Sie lag auf einem von 3 Seiten schwer angreifbaren Bergsporn. Die Angriffsseite im Osten war durch einen künstlichen, 2o m tiefen Halsgraben (1) und eine 3 m dicke und l0 m hohe Schildmauer (2) geschützt. Der Zugang zum Burgtor (31) erfolgte über die Grabenbrücke (4) auf einem die Kernburg umkreisenden Burgweg.

Dabei waren bei den Punkten (5-9-12-14-2o) Toranlagen zu überwinden. Der ca. 2o m hohe Turm T - der Bergfried - schützte das Tor. Er war gleichzeitig Auslug und letzte Zuflucht, falls Feinde in den Burghof drangen. In seinem Unterteil befand sich wahrscheinlich das Burgverlies.

Besteigen wir über eine Wendeltreppe im Wohnturm L über den ehemaligen Wehrgang der Mantelmauer (29) den noch 11 m hohen Turmrest, so werden wir mit einem herrlichen Rundblick in die Nordpfälzer Hügellandschaft und den Lemberg (422 m) im Norden belohnt. Der Burgberg und die nahen Höhen waren im Mittelalter wegen des notwendigen freien Schussfeldes nicht bewachsen.

Im Osten liegt 3o m unter uns der von Menschenhand geschaffene Halsgraben. Blicken wir gen Westen in den Burghof mit seinen z.T. noch vierstöckig erhaltenen Resten der Burghäuser A bis L.

Mindestens 9 Häuser - beim Anwachsen der Ganerbenschaft - in 2oo Jahren eingefügt, füllen die Ringmauer nahezu lückenlos aus, so dass nur ein sehr enger Hof übrig blieb. Die Häuser A bis H3 müssen schon recht früh (bis Mitte 14 Jh.) entstanden sein, da sie noch romanische Baureste aufweisen. Der später aufgeteilte ehemals große Palas I/J hat bereits gotische Kellereingänge. Mit Sicherheit bei K, vermutlich auch bei B befanden sich Fachwerkhäuser. Der Wohnturm L muss etwa um 1400 den Hof vollständig aufgefüllt haben.

Dieser Bau ist vermutlich der einzige, der gegen 1480 nach der Burgzerstörung wieder hergerichtet wurde, wie wir aus einer dendrochronologischen Zeitbestimmung eines Balkenrestes wissen. Alle Häuser waren im M.A. verputzt und trugen schmuckvolle Sandstein-Fenstergewände, von denen noch Reste im Lapidarium (Raum H3) zu sehen sind.

Ruine Montfort aus Sicht des Lembergs

Insges. standen den Bewohnern etwa 19oo m² Wohnfläche zur Verfügung. Die Häuser waren mit Schiefer gedeckt. Das burgenkundlich interessanteste Bauwerk ist die mit einer Filterfassung ausgestattete Zisterne D, die ca. 4o m³ gereinigtes und gut gekühltes Regenwasser sammelte. In Form und Erhaltungszustand ist diese Anlage bis heute einmalig im deutschen Burgenbau.

Durch den Ausbau des ges. Burgmauerringes mit Häusern musste der ursprünglich vorhandene, Zinnengekrönte Wehrgang nach außen verlegt werden. Dadurch entstand im Süden und Westen ein dreifaches Zwingersystem (7-8-lo-11) und im Norden eine Vorburg mit Graben und Wall. In der Vorburg befanden sich dann auch die Häuser für Gesinde und

Knechte. Ställe und Werkstätten. Die Anlagen um das Haus M dienten zum Schutz des

Grabentores (12}. Heute hat hier der Burgbetreuende Verein "Burgfreunde Montfort e.V." seinen Aufenthaltsraum und ein kleines Burgmuseum eingerichtet.

Die Reste der starken Burganlage blieben von 1457 bis 1937 unberührt. Damals hoben 2-3 Jahre  Freilegungsarbeiten an den Häusern C E F H leider viel archäologische Substanz zerstört: 1975 begann eine Bürgerinitiative den drohenden Verfall und die mutwillige Zerstörung zu stoppen, sowie das Umfeld der Burg freizulegen. Der "Burgherr" - der Landkreis Bad Kreuznach - begann dann ab 1977 mit wesentlicher Unterstützung der Arbeitsverwaltung (ABM) mit umfangreichen Sicherungs- und Erhaltungsarbeiten. Die Mitglieder des oben gen. Burgvereins trugen dazu in Einsätzen mit mehr als 3o.ooo freiwillig abgeleisteten Arbeitsstunden bei. Bis Ende 1985 wurde mit diesen Idealisten und dem Aufwand von  damals 733.ooo DM aus einer dem Verfall überlassenen, verwilderten und nahezu unbekannten Ruine ein interessantes und ansehnliches Kulturdenkmal geschaffen, das in den letzten Jahren von vielen Tausend Besuchern bewundert werden durfte.

Die bei diesen Arbeiten gemachten Funde befinden sich z.T. in einem kleinen Burgmuseum, z.T. im Burgenraum der Heimat-Ausstellung im Kurmittelhaus Bad Münster a.St.-Ebernburg. Vom Amt für Bodendenkmalpflege, Mainz, wurde 1983/84 im Gebäude G eine fachgerechte archäologische Grabung durchgeführt, die eine Fülle von interessanten Funden ans Tageslichte brachte. Sie geben uns einen Einblick in das tägliche Leben auf einer mittelalterlichen Burg.

Daneben präsentiert das Museum archäologische Funde aus den Burgruinen, wie Keramik, Glas und Eisen.

Einen Bericht über eine archäologische Ausgrabungsmassnahme finden sie >> hier <<.

 

Rezeptvorschlag  >> Montforter Schweinefilet <<

 

 Willkommen auf Burgruine Montfort


Öffnungszeiten: ganzjährig, durchgend geöffnet.

Führungen: Auf Anfrage beim "Verein der Burgfreunde e. V."
Ansprechpartner: Johann Klein, Hallgarten, Telefon 06362/3951

Anfahrtsweg:
Von Hallgarten Richtung Oberhausen fahrend, nach ca. 2 km zweigt links eine Straße zum "Montforterhof" ab.

bzw: von Oberhausen/Nahe Richtung Hallgarten fahrend, nach ca. 3 km zweigt rechts eine Straße zum "Montforterhof" ab.
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Nach ca. 500m Parkmöglichkeiten, bis zur Ruine sind dann noch ca. 15 Gehminuten einzuplanen. Festes Schuhwerk ist empfehlenswert.

Hinweis: Die Burgruine wird gastronomisch nicht bewirtschaftet.

Aktuell: Die Gastwirtschaft "Zur Burgschänke" im Ortsteil Montforterhof ist bis auf weiteres geschlossen.

Als nächstgelegene Gastwirtschaften sind folgende zu empfehlen:

Grünewald Valentin L. , Johannes Gaststätte und Weingut

Bergstr. 8 - 67826 Hallgarten/Pfalz Tel:06362-8845